BMW GS Trophy 2014 Kanada #6

München / Fort Steele, Kanada. Der vorletzte Tag der International GS Trophy 2014 führte über 400 Kilometer durch British Columbia: An diesem langen Tag wurde sogar eine Zeitzonengrenze überschritten. Zwischen dem Start in Balfour und dem Tagesziel in Fort Steele waren drei Sonderprüfungen zu bestehen.

Jede Sonderprüfung wurde von Chefinstruktor Tomm Wolf und Pat Horan so knifflig wie entwickelt. Die erste – „Bruchsteinmauer“ – führte 10 Kilometer weit durch staubigen Wald und stellte alle Teilnehmer auf eine harte Probe. Sie mussten mit ihren Motorrädern bei laufendem Motor einen Steinwall überwinden, der die gesamte Straße blockierte. Viel Kraft, Durchhaltevermögen und eine ausgetüftelte Technik waren hier gefragt. Diese Aktion machte zwar sehr viel Spaß, war aber auch nicht ganz ungefährlich. Umherfliegende Steine, die von den 125 PS starken GS-Motoren hochgeschleudert wurden, zwangen die Zuschauer, sich schnell ein sicheres Plätzchen zu suchen.

Die zweite Aufgabe mit dem Namen „Maryland Prüfung“  war aber bei Weitem nicht so idyllisch, wie der Name vermuten ließ. Ein schmaler, kurvenreicher und sandiger Weg, gespickt mit Steinen, Löchern und Bäumen, verlangte allen Teilnehmern höchste Geschicklichkeit ab – und das auch noch unter Zeitdruck! Bei der dritten Sonderprüfung, dem „Start und Stopp“, wurde die Bremsübung des Vorabends wiederholt, diesmal aber auf Schotter und nicht auf Asphalt. Die Teammitglieder und die Journalisten hatten die Aufgabe, mit aktiviertem ABS und im Enduro Pro Modus so schnell wie möglich zu fahren und das Vorderrad innerhalb eines markierten Bereichs zum Stehen zu bringen. Die drei schnellsten Zeiten eines Teams wurden für das Endergebnis gewertet.

Nach Beendung der 17. von 20 Sonderprüfungen brachen die Fahrer zum Fort Steel Resort auf. Im Sonnenschein konnten sie dort noch ein kühles Bier genießen, bevor sie ihr Nachtlager in der Nähe eines Tipi-Zeltes des Ktunaxa-Stammes aufschlugen, der einheimischen indianischen Bevölkerung, die die Teilnehmer mit Trommeln und Tänzen zu Ehren der Kultur der amerikanischen Ureinwohner begrüßte. „Der Legende nach sollen wir aus dieser Region stammen“, sagte der auch unter dem Namen „Charging Buffalo“ (übersetzt etwa „tatkräftiger Büffel“) bekannte Stammeshäuptling Alfred Joseph. „Im Osten und Westen von Kootenay liegt unser Territorium. Früher überquerten wir die Berge, um Büffel zu jagen. Unsere Geschichten wurden von einer Generation an die nächste weitergegeben. Da unsere Sprache inzwischen aber vom Aussterben bedroht ist, ist es für uns wichtig, dass unsere jungen Leute versuchen, die Traditionen und die Kultur unseres Stammes lebendig zu halten.“

Als beim Abendessen die Etappenergebnisse bekannt gegeben wurden, stand fest: Team Mittel- und Osteuropa war erneut Tagesgesamtsieger geworden und hatte seinen Vorsprung in der Gesamtwertung vor Team Südafrika und Team Frankreich noch weiter ausgebaut.

„Es läuft sehr gut für uns“, freute sich Wojciech Zambrzycki vom führenden Team Mittel- und Osteuropa. „Jetzt müssen wir mit unserem satten Punktevorsprung zwar nur noch einen Tag überstehen, aber wir fühlen uns noch nicht auf der sicheren Seite. Einige von uns haben schon Rennerfahrung und daher wissen wir, dass der Gewinner erst hinter der Ziellinie feststeht. Der morgige Tag wird also ein Tag wie jeder andere sein: Wir stehen morgens auf und versuchen, unser Bestes zu geben. Sollten wir das Glück haben, die Trophy zu gewinnen, dann werden wir morgen Abend mit Sicherheit kräftig feiern.“